Translate

Montag, 28. Januar 2019

vorübergehende Pause

Das vergangene Jahr war sehr anstrengend. Das Projekt Schatzbaukasten ist ja mein Hobby, während die Weberei mein Beruf ist. Das ist für Aussenstehende schwer zu trennen und tatsächlich gibt es Überschneidungen besonders in der Recherche. Veränderungen hatten mich gezwungen ZeitenSprung virtuell neu aufzustellen. Eine neue Internetpräsenz musste her, ein neuer Shop auf die Beine gestellt werden. Mein Blog ZeitenSprung ist mit auf die neue Seite gezogen und bei der ganzen Aktion gingen die Bilder aus diesem Blog verloren. Das alles hat unzählige Stunden und Energie gekostet. Es macht mich traurig dass der Schatzbaukasten Blog nun so kaputt im Netz dümpelt, und so recht weiß ich noch nicht wie es hier weiter geht. Dienstlich ist sehr vieles liegen geblieben, das ich nach und nach aufhole. Es ist so viel dass der Schatzbaukasten erst einmal auf Eis liegt. Es wird in diesem Jahr keine Veranstaltung geben. Sicherlich werde ich im Stillen an meinen Kästen weiterarbeiten und die Fortschritte gerne zeigen.

Sonntag, 14. Oktober 2018

Spiegelglas im Hochmittelalter


Habe ich beim letzten Spiegel noch vermutet, das sich ein poliertes Blech im Inneren des Spiegels befand, gehe ich nun davon aus, das es ein gewölbter Glasspiegel gewesen sein muss.
Dazu gibt es in den Bonner Jahrbüchern 1990 und 1995 jeweils eine schöne Publikation von Ingeborg Krueger, die viel zu diesem Thema zusammen getragen hat.
Sie schreibt, das man schon im Frühmittelalter z.B. im Fundkomplex Birka, aber auch in Haitabu, Spiegelfragmente aus Glas gefunden hat. Auch erwähnt sie Glasspiegel schon bei den Römern.
Es wurden große Glaskugeln geblasen und diese mit Blei ausgeschwenkt.
Diese Kugeln hat man später gebrochen und die Stücke mit einer Art Kitt in Fassungen eingesetzt.
Der Kitt* war im Hochmittelalter vermutlich bunt angemalt.
( *Kitt ist scheinbar ein Sammelbegriff für technische Massen unbestimmter Zusammensetzung. Der Glaserkitt wie wir ihn heute kennen, ist erst sehr viel später bekannt.)
Einen schönen Bildbeleg gibt es auf diesem Bild, das vermutlich jeder kennt, Anolfinis Hochzeit. Hier hängt im Hintergrund ein gewölbter Spiegel an der Wand. Solches Spiegelglas muss man sich in Klein für die Tasche denken.
Ein kleines Spiegelstück von der Größe eines Kronkorkens reicht aus, um sein ganzes Gesicht und auch den Sitz der Frisur oder des Kopfputzes zu überprüfen, wenn es kuppelförmig (schwach konvex gewölbt) ist. Man kennt es vom Blick auf Christbaumkugeln.



Die Beschichtung des Spiegelglas war sicherlich eine hohe Kunst mit großem Fachwissen.
So wie das Blasen von sehr großen Kugeln bis zu nachgewiesenen 28cm Durchmesser, hohe Kunstfertigkeit und Kraft erfordert.
Erhalten sind heute wenige kleine Fragmente, die Beschichtung ist meist korrodiert und kaum als solche erkennbar. Die genaue Zusammensetzung scheint nicht bekannt zu sein.
Meist findet man Glasfragmente deren Verspiegelung zerstört ist, und sich schwer von Erde, Moder oder was auch immer, optisch unterscheidet. In einigen Glücksfunden findet man Krümelchen, die man einer Verspiegelung zu sprechen kann. Schöne Funde gibt es z.B. aus dem Frühmittelalter in Birka, wo tatsächlich die Beschichtung noch am Glas haftet.
Von Fachkräften wurde mir erklärt, das sich gewölbtes Glas nicht einfach so zu schneiden lässt, wie es bei Glasplatten der Fall ist. Gewölbtes Glas ist tückisch, selbst mit heutigen Mitteln, wie es z.B. den Augenoptikern zur Verfügung steht.

 
So besteht die allergrößte Schwierigkeit an meinem Spiegelprojekt, im Beschaffen des Spiegelglases.
Von der Stange ist so etwas nicht zu bekommen.
Alle Modelle dieser Machart deuten auf eine ovale Spiegelform hin. Das Glas wurde in Form gebrochen. Eine perfekte Form und saubere abgerundete Kanten, wie wir uns das heute vorstellen, gab es vermutlich nicht. Deshalb auch der bemalte Rand, der die Kanten optisch egalisiert hat.
Etwas später in der Zeit, sind die Spiegel oft rund, dazu sind die Fassungen meist aus Elfenbein, oder Holz statt Knochen.



Bei meinem neuen Versuch muss ich einen Kompromiss ein gehen:
  • will ich Glas verarbeiten, muss ich ein kreisrundes Glas nehmen.
  • will ich die Form beibehalten, könnte ich auf Kunststoff ausweichen
Vielleicht findet sich irgendwann später einmal ein neuer Kontakt und damit die Möglichkeit ein Glas zu finden, das an die historischen Vorlagen besser heran kommt.
Jetzt ist mir wichtig die Form der Taschenspiegel zu zeigen und wie verblüffend komfortabler so ein kleiner historischer Spiegel gegenüber den heutigen Modellen ist.
So ein Taschenspiegel war eine Kostbarkeit, sicherlich auch Statussymbol für die Dame.





Dieses Gläschen hat einen Durchmesser von knapp 3cm.
 
Man sieht, man kann den Oberkörper samt Fotoapparat sehen, den Spiegel halte ich etwa einen halben Meter von Kopf entfernt.
Die historischen Vorlagen werden nicht so stark gekrümmt gewesen sein. Die Kugel die zu der Größe meines Gläschens gehört haben könnte, hat etwa den Durchmesser eines Tennisballs. Je kleiner die Kugel, um so weiter ist die Wiedergabe des Spiegelbildes samt Umgebung.
Damals war das Bild des Kopfes also größer und der Bildausschnitt kleiner.
Hier zum Vergleich eine Replik mit Flachglas, dieser Spiegel hat einen Durchmesser von 3,5cm :



In den Schriftquellen tauchen immer wieder Spiegelgläser als Handelsware durch die Jahrhunderte auf. (siehe oben genannte Quellen)
Scheinbar wurden parallel auch noch polierte Metalle genutzt. So geht man davon aus, das in den Elfenbeinspiegeln aus der Pariser Produktion des 14ten Jahrhunderts, polierte Bleche gesteckt haben.
Ob das so tatsächlich so war, weiß ich nicht, dazu fehlt mir Hintergrundwissen.
Vorstellen kann ich mir das nur schwer, denn ein Glasspiegel gibt es viel schöneres Spiegelbild,
und erblindet auch weniger schnell.
 
Man sieht, man kann den Oberkörper samt Fotoapparat sehen, den Spiegel halte ich etwa einen halben Meter von Kopf entfernt.
Die historischen Vorlagen werden nicht so stark gekrümmt gewesen sein. Die Kugel die zu der Größe meines Gläschens gehört haben könnte, hat etwa den Durchmesser eines Tennisballs. Je kleiner die Kugel, um so weiter ist die Wiedergabe des Spiegelbildes samt Umgebung.
Damals war das Bild des Kopfes also größer und der Bildausschnitt kleiner.
Hier zum Vergleich eine Replik mit Flachglas, dieser Spiegel hat einen Durchmesser von 3,5cm :



In den Schriftquellen tauchen immer wieder Spiegelgläser als Handelsware durch die Jahrhunderte auf. (siehe oben genannte Quellen)
Scheinbar wurden parallel auch noch polierte Metalle genutzt. So geht man davon aus, das in den Elfenbeinspiegeln aus der Pariser Produktion des 14ten Jahrhunderts, polierte Bleche gesteckt haben.
Ob das so tatsächlich so war, weiß ich nicht, dazu fehlt mir Hintergrundwissen.
Vorstellen kann ich mir das nur schwer, denn ein Glasspiegel gibt es viel schöneres Spiegelbild,
und erblindet auch weniger schnell.


Mittwoch, 22. August 2018

die Bilder sind weg

Heute habe ich erst gemerkt das mit dem Umzug des ZeitenSprungs Blogs die Bilder der älteren Posts verschwunden sind. Zur Zeit bin ich immer noch mit dem Umzug beschäftigt, aber ich werde die Bilder wieder einpflegen - versprochen.


Montag, 18. Juni 2018

Mindener Zeiteninseln 2018

... und schon sind sie wieder vorbei.
Schön wars ! Tagsüber kein Regen, trockener Abbau, das sind gute Voraussetzungen.

Minden ist ein Ort der nach Geschichte riecht. Es gibt viele altehrwürdige Bauwerke. Passend zu diesen Bauwerken Zeiteninseln anzusiedeln ist eine wirklich schöne Idee.
Der mittelalterliche Kreuzgang am Dom ist eine traumhaft schöne Kulisse. Der gepflegte Garten im Innenhof ist schön und liebevoll angelegt. Ein Brunnen plätschert und lädt kleine Kinder zum pritscheln ein. Dummerweise habe ich wieder viel zu wenig Bilder gemacht.


Jede Veranstaltung hat ihr eigenes Publikum, mit eigenen Fragen.
Diesmal bin ich unglaublich oft gefragt worden ob wir ein Verein sind, ob wir die Ausstattung gestellt bekommen, was man denn von Beruf sei, bzw ob man so was studiert habe.
Drei mal nein.

"Mittelalter machen" ist ein sehr aufwendiges teures Ding. Die Ausrüstung will gut erarbeitet sein, das heißt man sucht was zur gewählten Epoche passt, und versucht dieses Ausrüstungsteil zu beschaffen. Je weiter man in der Zeit zurück geht, um so schwieriger ist oft die Suche. Ideal ist es ein Originalstück zB in Museen zu finden, das sich zufällig auch noch mal auf einer Abbildung findet, und es nacharbeiten zu lassen.
Von der Stange kaufen lässt sich kaum etwas.
Bei dieser Suche, liest man zwangsläufig viele Ausstellungskataloge von Museen, unterschiedlichste Fachliteratur, Restaurationsberichte und andere merkwürdige Dinge.
Man muss genau hin schauen, ist ständig auf der Suche, und viele Details sind diskussionswürdig. Oft ist ein Ausstattungsdetail mit einem neuen archäologischen Fundstück hinfällig. Es gibt dann neue Erkenntnisse, und das mühsam besorgte Stück stellt sich als falsch heraus. Zum Glück passiert das nicht soo oft.
Die gesamte Ausrüstung, ist Privateigentum, auf eigene Kosten angeschafft, zum Großteil selbst gemacht, oder gegen mühsam selbst gemachtes ertauscht. Die Dinge sind also echt. Keine Kulissen oder Attrappen, sondern funktional und weitgehendst aus den passenden Werkstoffen.
Die Kleidung ist somit handgenäht, die Stoffe dazu sind aus den Materialien aus denen sie damals auch gewesen sind. Die Schuhe sind maßangefertigt und aus Leder mit der richtigen Gerbung (vegetabil, weil haltbarer), Das Holz der Gebrauchsgegenstände ist massiv. Kunstfasern, Plastik und Leimholz sind verpöhnt. Sie haben nicht die richtige Optik und nicht die Funktionalität die nötig ist.
Hier und da muss man Kompromisse eingehen, wie zB bei meinem Spiegel der keine Quecksilber Amalgam Legierung hat, wie die Originale.

Viele nette Gespräche sind entstanden. Nun weiß ich dass man in China immer noch mit Knöchelchen spielt und dass Spielregeln dazu leicht anders aber doch auch ähnlich sind. Auch bei uns, bzw in einem belgischen Supermarkt, habe ich schon ein Knöchelchen Spiel gekauft, aus bunten Kunststoffknöchelchen. Wie schön dass unsere doch sehr unterschiedliche Kulturen solche Spiele verbinden.

Eine Frage die auch oft aufkommt ist die nach meinen Werkzeugen.
Ich habe eine Schwäche für handgemachte Werkzeuge. So wie andere Frauen Schuhe kaufen ... nicht alle Einkäufe stellen sich bei Benutzung als passend heraus, auch ganz ähnlich wie bei Schuhen.
Deshalb möchte ich gerne Schorsch den Schmied von der IG Historisches Handwerk verlinken, von dem ich meine besten Werkzeuge habe.
Hello to the new friends from Sweden, here is the smith Schorsch :

der Link geht zu FB :

Sonntag, 10. Juni 2018

Reliquien Attrappe

Wenn der Schatzbaukasten unterwegs ist, ist eine der meistgestellten Fragen, was war da drin ?
Erkläre ich ein menschlicher Knochen, ist die nächste Frage, ob das ganze Kästchen aus Menschenknochen sei. Und so verbringe ich einige Zeit damit, Dinge zu erklären, die mir selber fremd sind : die Anbetung von Reliquien, wie sie beschaffen waren, wie das da drin bewahrt wurde.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Beim lesen bin ich auf die Idee gekommen eine Attrappe zu basteln, in der Hoffnung, diesen Teil Erklärung zukünftig verkürzen zu können um bei meinem eigentlichen Projekt, dem beschnitzen des Turmgefäß, zu bleiben. Ich mag meinen Besuchern nichts vorgaukeln, so zu tun als habe ich da eine wirkliche Replik, kommt für mich nicht in Frage.
Mein Knöchelchen stammt von einem Reh, es ist ein Fußknochen.
Üblicherweise wurden Reliquien mit einem Pergamentstreifen (Cedula) umwickelt, auf dem der Name, bzw die Art der Reliquie beschrieben ist. Das klingt erst einmal simpel, es sieht auch simpel aus, aber Schriftarten und Deklarationen haben sich im Laufe der Zeit geändert. Soll es stimmig sein, hätte das erhebliche Recherche vorausgesetzt, die dann später um zu setzen, wiederum Schreibübungen vorausgesetzt hätte. Meine Attrappe ist somit nur eine Andeutung, ein Streifchen Papier mit dem Namen des "Spenders" wurde mit einem Goldfaden angebracht.
So erhoffe ich mir, zu zeigen, wie es innerhalb des Turmkästchens ausgesehen haben könnte. Da mein Display auf 2m beschränkt ist, und das meiste davon Arbeitsfläche ist, auf der es staubt und krümelt, bekommt das Ganze eine Staub und regenfeste moderne Verpackung.

meine Lösung : echt ist hier der Goldfaden und das Seidenbeutelchen
Welche Art Reliquie sich nun tatsächlich in dem Darmstädter Kästchen befunden hat, konnte ich nicht heraus finden. Es liegt nahe, das es eine Ursulinen Reliquie sein könnte. Sie wurden über langen Zeitraum in unzähligen Gefäßen in Umlauf gebracht. Zu späteren Zeiten als die bekannten Ursulabüsten aus Holz. Im zwölften Jahrhundert waren jedoch Gefäße wie mein Turmreliquiar das mit Beinplättchen verziert ist, oder aber wenn es edler sein darf, emaillierte Bronzekästen, die Gefäße der Zeit.

Freitag, 8. Juni 2018

Organisatorisches

Immer wenn Du etwas umsonst bekommst, musst Du überlegen, ob Du wirklich der Kunde bist, und nicht etwa das Produkt.

 


In diesem Sinne werde ich meine FB Seite auf unbestimmte Zeit pausieren. So lange FB seine Seitenbetreiber in Sachen DSGVO im Regen stehen lässt, sehe ich mich dazu gezwungen um Abmahnungen zu vermeiden. Langfristig werde ich auch meine Blogs umsiedeln, ich schaue mich in Ruhe nach einem neuen Anbieter um, aber bis es so weit ist, wird es noch dauern. Ich werde früh genug Bescheid sagen und links setzen.

Montag, 28. Mai 2018

Schnurrer

Im archäologischen Fundgut tauchen sie immer wieder auf : etwa fingerlange Knochen mit einer Bohrung ist der Mitte. In Publikationen werden sie als Schnurrer genannt, und das Wort beschreibt ihr Können ganz gut.
Mit einer leicht elastischen Schnur können sie zum schwingen und schnurren gebracht werden.
Nachbau eines mittelalterlichen Schnurrers, der Knochen stammt von Bikkel en Been

Dazu wird die Schnur von beiden Seiten einmal durch den Knochen gewickelt und die Schnur verknotet.

Man nimmt in jede Hand ein Ende, schwingt nur mit einer Hand um die Schnur zu verdrehen und zieht dann mit beiden Händen, bis die Schnur abgedreht ist, lässt dann leicht locker, damit die Schnur wieder Drehung in die andere Richtung bekommt.So immer weiter machen. Der Knochen bekommt Schwung und macht Töne.

Schwung sammeln und los ...

herzlichen Dank an U.Klages für das knipsen und zur Verfügung stellen dieser Bilder


Einen Schnurrer kann man leicht nachbauen. Man benötigt dafür nicht einmal einen Knochen, sondern es klappt auch mit einem Hölzchen oder sogar einem großen Kleiderknopf. Die Schnur sollte leicht elastisch sein. Nicht jede Schnur ist dafür geeignet. Für meinen Schnurrer habe ich diese hier verwendet : Wollschnur von ZeitenSprung

Literatur :
Ausgrabungen in Schleswig
Berichte und Studien 3
von Inge Ulbricht
ISBN 3 5290 1453 2